Gedächtnis und Gedächtnisstörungen – Psychologie, Neurologie und Psychiatrie

Markowitsch Hans Referent: Termin:

Teilnahmegebühr:

Hans J. Markowitsch
Prof. Dr.

19.10. - 20.10.2018
Fr 14 - Sa 16 Uhr
Rottweil

€ 290,-
€ 270,- für MEG-Mitglieder

Gedächtnis wird heutzutage nicht nur nach der Zeit, sondern auch nach dem Inhalt unterteilt (Markowitsch, 2009). Die inhaltliche Unterteilung in ein Kurzzeit- und fünf Langzeitgedächtnissysteme hat Konsequenzen für die Diagnostik und Behandlung von Patienten.

Dies insbesondere, weil zwei der Gedächtnissysteme bewusst, eines „selbst-bewusst“ – autonoetisch und zwei unbewusst verarbeitet werden. Außerdem wird die Verarbeitung von Gedächtnis von der Wahrnehmung und Informationsaufnahme bis zum Informationsabruf gegenwärtig als dynamisch betrachtet, was unter anderem zu Erinnerungsverfälschungen und Fehlerinnerungen führen kann (Kühnel & Markowitsch, 2009). Die Verschränkung von Gedächtnis, Zeit und Bewusstsein bildet eine zentrale Thematik (Markowitsch, 2013), weil sie auch bei neurologischen (Markowitsch & Staniloiu, 2012) und psychiatrischen Krankheitsbildern wie der ‚dissoziativen Amnesie‘ und der ‚dissoziativen Identitätsstörung‘ (Staniloiu & Markowitsch, 2014; Markowitsch & Staniloiu, 2016) eine wesentliche Rolle spielt. In diesem Zusammenhang ist natürlich auch das Phänomen des Vergessens zentral (Pritzel & Markowitsch, 2017).

Auf diese und weitere Phänomene von Gedächtnis und Erinnerung soll intensiv eingegangen werden. Darüber hinaus auch auf Methoden und Tests zur Messung von bewusst intendierten Verfälschungen von Gedächtnis, wie sie in gerichtlichem und forensischem Kontext auftreten (Beschwerde- oder Symptom-Validierungs-Tests). Neben der Darstellung von hirnorganischen Korrelaten von Gedächtnisverarbeitung sollen die Auswirkungen von Stress- und Traumazuständen auf den Abruf aus dem Altgedächtnis („mnestisches Blockadesyndrom“) beleuchtet werden. Zum Abschluss sollen Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie von Gedächtnisstörungen erörtert werden. Die Bedeutung amnestischer Störungen für die Veränderung von Selbst und Selbstbild wird ebenfalls besprochen.

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Seminarzeiten:
Fr 14 - 21 Uhr
Sa 9 - 16 Uhr

Über Hans J. Markowitsch:

Hans J. Markowitsch ist einer der international wichtigsten Gedächtnisforscher und dazu Kenner von hypnotherapeutischen Bezügen. Er war häufig auf unseren Tagungen zu Hauptvorträgen. Bei der schweren Auswahl des Hauptvortrags-Thema für die Teile-Tagung 2018, aus mehreren attraktiven Themen, entstand der Wunsch, Prof. Markowitsch einmal umfassend über seinen Wissenschatz referieren zu lassen.

Literatur:
Kühnel, S. & Markowitsch, H. J. (2009). Falsche Erinnerungen. Heidelberg: Spektrum.
Markowitsch, H. J. (2009). Das Gedächtnis: Entwicklung – Funktionen – Störungen. München: C.H. Beck.
Markowitsch, H. J. (2013). Memory and self – Neuroscientific landscapes. ISRN Neuroscience, Art ID 176027. http://dx.doi.org/10.1155/2013/176027.
Markowitsch, H. J. & Staniloiu, A. (2012). Amnesic disorders. Lancet, 380(9851), 1429-1440.
Markowitsch, H. J. & Staniloiu, A. (2016). Functional (dissociative) retrograde amnesia. In M. Hallett, J. Stone & A. Carson (Eds.) Handbook of clinical neurology (3rd series): Functional neurological disorders (pp. 419-445). Amsterdam: Elsevier.
Pritzel, M. & Markowitsch, H. J. (2017). Warum wir vergessen. Berlin: Springer.
Staniloiu, A. & Markowitsch, H. J. (2014). Dissociative amnesia. Lancet Psychiatry, 1, 226-241.